BWS-Blockade lösen und Brustwirbelsäule mobilisieren: 5 effektive Übungen

Sanfte Übungen aus Osteopathie, Yoga und Pilates für mehr Weite im Brustkorb, freieres Atmen und einen beweglicheren Oberkörper.

von Lilly Rugg · Osteopathin & Bewegungstrainerin

 

Eine BWS-Blockade kann sich anfühlen wie ein Panzer im Oberkörper: enger Brustkorb, dumpfer Druck zwischen den Schulterblättern, Atmung, die nicht mehr richtig in die Tiefe geht. In diesem Beitrag zeige ich dir, was wirklich hinter dem Gefühl steckt, warum klassisches Einrenken meist nur kurzfristig hilft – und mit welchen 5 Übungen aus Osteopathie, Yoga und Pilates du deine Brustwirbelsäule nachhaltig mobilisierst.

 

Inhalt

Du wachst morgens auf, willst dich einmal richtig strecken — und dein oberer Rücken fühlt sich an, als hätte jemand ihn über Nacht festgezogen.

Zwischen den Schulterblättern sitzt dieser dumpfe Druck.

Beim Einatmen fehlt plötzlich Weite.

Und beim Drehen bewegt sich irgendwie der ganze Oberkörper mit — nur deine Brustwirbelsäule selbst nicht mehr.

Vielleicht hast du schon gedehnt.
Vielleicht geknackt.
Vielleicht sogar versucht, die Stelle ständig „einzurenken“.

Und trotzdem kommt dieses enge, feste Gefühl immer wieder zurück.

Genau darum geht es in diesem Artikel.

Ich zeige dir, warum sich die Brustwirbelsäule überhaupt blockiert anfühlt, warum kurzfristiges Knacken oft nicht reicht — und welche Übungen wirklich helfen, um deine Brustwirbelsäule nachhaltig zu mobilisieren.

Klingt vertraut? Dann bist du hier genau richtig.

Was ist eine BWS-Blockade?

Vielleicht hast du auf der Suche nach Erleichterung nach „BWS-Blockade lösen“ oder „Brustwirbelsäule mobilisieren“ gesucht, weil sich dein oberer Rücken anfühlt, als säße da ein eiserner Keil fest. Viele meiner Teilnehmerinnen beschreiben mir genau dieses Gefühl: Als wären die Wirbel regelrecht verkantet, verschoben oder verrutscht.

Die gute Nachricht zuerst: Deine Wirbel sind ziemlich sicher genau dort, wo sie hingehören.

Die Vorstellung vom „verrutschten Wirbel“ hält sich zwar bis heute hartnäckig – sie stammt ursprünglich aus der frühen Chiropraktik des 19. Jahrhunderts. Die moderne Wissenschaft zeigt uns heute jedoch ein ganz anderes Bild: Ein Wirbel verrutscht im Alltag nicht einfach so. Dafür sitzt deine Wirbelsäule viel zu stabil in einem dichten, sicheren Netz aus Bändern, Sehnen und Bindegewebe. Das passiert praktisch nur bei schweren Unfällen.

Was du stattdessen spürst, ist eine funktionelle Schutzspannung.

Es ist keine Fehlstellung deiner Knochen, sondern eine Reaktion deines Nervensystems. Was dabei in deinem Körper tatsächlich passiert, ist faszinierend:

Die feinen Gelenke zwischen deinen Wirbeln (man nennt sie Facettengelenke oder facet joints auf Englisch) oder die kleinen Verbindungen zwischen deinen Wirbeln und Rippen werden durch langes Sitzen, Stress, eine unbedachte Bewegung oder eine Dauerbelastung gereizt.

Dein Nervensystem reagiert sofort und schaltet die Region blitzschnell auf „Sicherheit“. Es will dich schützen! Die tiefliegende Muskulatur zieht sich reflexartig zusammen und hält das Gelenk quasi in einer starren Schutzhaltung fest. Und genau das spürst du dann als dieses unangenehme, enge Panzergefühl.

So bewegen sich deine Facettengelenke

Bildquelle: Facet-joints.png von Dr.foksha, lizensiert unter CC BY – SA 4.0

In dieser Grafik siehst du, wie diese Gelenke bei der Vorbeuge (Flexion) und der Rückbeuge (Extension) normalerweise reibungslos zusammenarbeiten sollten.

Ehrlich gesagt: Dein Körper versucht hier nicht, dich zu ärgern. Er schützt dich vor weiterer Belastung, was erst einmal eine grandiose Leistung deines Systems ist. Das Problem entsteht erst dann, wenn dieser Schutzmodus dauerhaft aktiv bleibt und du das Gefühl verlierst, dich in deinem eigenen Körper frei bewegen zu können.

Was hilft bei einer BWS-Blockade wirklich?

Eine BWS-Blockade entsteht meist nicht, weil ein Wirbel „rausgerutscht“ ist.

Viel häufiger reagieren:

  • Muskeln
  • Gelenke
  • Rippen
  • Faszien
  • das Zwerchfell
  • und dein Nervensystem

mit einer Art Schutzspannung — oft durch langes Sitzen, Stress, flache Atmung oder zu wenig Bewegung.

Damit du deine Brustwirbelsäule langfristig mobilisieren kannst, braucht dein Körper vor allem:

  • gezielte Bewegung
  • mehr Beweglichkeit im Brustkorb
  • eine freiere Atmung
  • ein Zwerchfell, das wieder richtig mitarbeiten kann
  • und Schulterblätter, die wieder frei über deine Rippen gleiten.

Besonders effektiv ist dabei die Kombination aus Osteopathie, Yoga, Pilates und sanfter Mobility-Arbeit.

Genau deshalb reicht reines Dehnen oder ständiges Knackenlassen der Brustwirbelsäule oft nur kurzfristig.

BWS-Blockade Symptome: So erkennst du eine festsitzende Brustwirbelsäule 

Eine festsitzende Brustwirbelsäule meldet sich auf ganz unterschiedlichen Wegen. Bei meinen Teilnehmer:innen beobachte ich immer wieder dieselben Anzeichen – und vielleicht erkennst du dich in dem ein oder anderen Punkt wieder:

  • Schmerzen zwischen den Schulterblättern Ein dumpfer Druck oder ein fieses Stechen, das einfach nicht weichen will. Egal, wie oft du dich bewusst aufrichtest, nach kurzer Zeit ist der Schmerz wieder da.

  • Nicht tief einatmen können Das ist eines der beklemmendsten Gefühle. Die Luft stoppt gefühlt auf halber Strecke, weil dein Brustkorb eng ist und sich wie zugeschnürt anfühlt.

  • Oberer Rücken verspannt Besonders nach langem Sitzen oder morgens nach dem Aufstehen fühlt sich alles fest an. Du brauchst erst mal ein paar Bewegungen, bis die Schmerzen in der Brustwirbelsäule nachlassen und du „auftaust“.

  • Eingeschränkte Beweglichkeit Ein Ziehen beim Schulterblick im Auto oder beim Sport – dein oberer Rücken kommt einfach nicht richtig mit in die Drehung.

  • Das typische „Panzergefühl“ Dein gesamter Oberkörper fühlt sich eng, schwer und unbeweglich an, als würdest du eine zu enge Rüstung tragen.

  • Kurzzeitige Erleichterung durch Knacken Ein lautes Knacken beim Strecken oder Räkeln bringt dir kurz Ruhe, aber nach wenigen Stunden ist der Druck in der BWS wieder voll da.

Manchmal zeigt sich eine festsitzende BWS aber auch dort, wo du es gar nicht erwartest: als hartnäckige Verspannung im Nacken oder sogar im unteren Rücken.

Wenn man genauer hinschaut, liegt der Ursprung oft genau dazwischen – in der Brustwirbelsäule.

Findest du dich hier wieder?

Dann lohnt es sich auf jeden Fall, genau hier anzusetzen. Die Übungen weiter unten sind perfekt dafür gemacht, diese Blockaden sanft zu lösen und dir wieder Raum zum Atmen zu geben.

Wichtig vorab: Was du hier liest, ist keine medizinische Diagnose. Anhaltende oder starke Beschwerden gehören immer in fachärztliche Abklärung – besonders, wenn akute Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Ausstrahlungen in Arme oder Beine dazukommen.

Was knackt beim „Einrenken“ wirklich?

Wenn nichts verrutscht ist – warum knackt es dann eigentlich so laut?

Vielleicht kennst du das auch: Du warst beim Osteopathen, beim Physio oder beim Chiropraktiker, es macht einmal kurz Knack und der Druck ist weg. Es hört sich an, als wäre dein Wirbel gerade wieder an seinen Platz gesprungen. Und genau so fühlt es sich in diesem Moment auch an.

Die Wissenschaft zeigt uns heute aber ein anderes Bild. Was du da hörst, ist kein Knochen, der „zurückspringt“.

 

Das physikalische Phänomen: Gas statt Wirbel

In deinen Wirbelgelenken befindet sich Gelenkflüssigkeit. Wenn ein Gelenk durch eine Bewegung oder einen Impuls schnell gedehnt wird, entsteht ein winziger Unterdruck. In diesem Moment bildet sich blitzschnell ein kleiner Hohlraum mit Gas in der Flüssigkeit.

Diese rasante Bildung eines Hohlraums erzeugt das Geräusch [1]. Fachleute nennen das Tribonukleation.

 

Warum du dich danach besser fühlst: Der neurophysiologische Reset

Viel wichtiger ist aber: Warum fühlen sich der obere Rücken und die Brustwirbelsäule danach sofort freier an?

Das liegt an deinem Nervensystem. Durch den schnellen Reiz am Gelenk wird ein Signal direkt an dein Gehirn gesendet. Dein Gehirn gibt daraufhin den Befehl, die Schutzspannung der Muskulatur sofort herunterzufahren [2].

 

Das passiert beim Reset:

  • Die tiefen, verspannten Muskeln lassen locker.

  • Die Schmerzwahrnehmung wird gedämpft.

  • Dein Brustkorb fühlt sich weniger eng an und du kannst freier durchatmen.

Dieses Gefühl ist absolut real und wertvoll. Aber – und das ist der entscheidende Punkt: Das Knacken allein ist keine dauerhafte Lösung.

Wenn wir nur die Wirbel „knacken“ lassen, ignorieren wir die Ursache. Damit die Freiheit im Oberkörper bleibt, müssen wir an die umliegenden Strukturen ran: Die Faszien, die Rippengelenke, das Zwerchfell und die tiefe Muskulatur brauchen gezielte Bewegung, damit das Nervensystem nicht direkt wieder in die Schutzspannung schaltet.

Die 3 häufigsten Fehler bei einer BWS-Blockade

Die Brustwirbelsäule ständig knacken zu wollen

Kurz kann sich das oft erleichternd anfühlen — aber die Spannung kommt meistens schnell wieder zurück. Denn häufig reagieren nicht nur die Gelenke, sondern auch Atmung, Rippen, Muskulatur und das Nervensystem auf Stress und Bewegungsmangel.


 

Den oberen Rücken lieber zu schonen statt ihn sanft zu bewegen

Gerade wenn sich der Brustkorb fest oder empfindlich anfühlt, vermeiden viele Menschen unbewusst Bewegung. Oft wird die Brustwirbelsäule dadurch aber noch unbeweglicher — und der Druck zwischen den Schulterblättern bleibt bestehen.


 

Nur die schmerzende Stelle zu dehnen

Eine festsitzende Brustwirbelsäule entsteht selten nur an einem einzigen Punkt. Häufig spielen auch die Rippen, Schulterblätter, die Atmung und der Bauchraum mit hinein. Deshalb helfen fließende, ganzheitliche Bewegungen oft besser als aggressives Dehnen einzelner Stellen.

 

Brustwirbelsäule mobilisieren: 5 effektive Übungen gegen eine BWS-Blockade

Du kannst diese Übungen wunderbar einzeln in deinen Tag einbauen – genau dort, wo du gerade spürst, dass dein oberer Rücken verspannt ist oder der Brustkorb eng wird. 

(Kleiner Tipp: Ich habe dir diese Übungen noch einmal zu einer fließenden Übungsreihenfolge zusammengefasst – perfekt für deine regelmäßige Routine!)

Das brauchst du:

  • Eine * Yogamatte  

  • Ein Handtuch oder eine dünne Decke

  • Ein kleines Kissen (optional)

Nimm dir für die Ausführung Zeit. Tempo schadet hier mehr, als es nützt. Atme bei jeder Bewegung tief und bewusst weiter. Solltest du irgendwo einen stechenden Schmerz spüren, geh bitte sofort aus der Übung heraus. Wir wollen dem Körper Raum geben, nicht mit Gewalt gegen den Schmerz arbeiten.

Übung 01

Die Vorbeuge aus dem Stand

Wir beginnen ganz unten, im Zentrum deines Brustkorbs. Wenn dein Zwerchfell entspannt, entspannt auch alles, was darüber liegt.

So gehts: 

  • Setz dich aufrecht hin. Fächere deine Finger auf, lege deine Hände rechts und links unter den unteren Rippenbogen, die Fingerspitzen zeigen sanft nach oben unter die Rippen.

  • Atme tief ein und lass die Rippen weit nach außen wandern – wie ein Reifen, der sich rundherum aufpumpt.

  • Beim Ausatmen sinkst du leicht nach vorne und lässt deine Fingerspitzen behutsam unter den Rippenbogen gleiten. Wenn du magst, wiegst du dich dabei minimal nach rechts und links.

  • Beim nächsten Einatmen schiebt dein Zwerchfell deine Finger wieder leicht heraus – leiste ihm einen sanften Widerstand.

  • Wiederhole das für fünf bis zehn ruhige Atemzüge. Wandere mit den Fingern in kleinen Schritten am Rippenbogen entlang, von der Mitte zu den Seiten.

Das bringt die Übung:

  • entspannt dein Zwerchfell und den oberen Bauchraum
  • verbessert die Beweglichkeit deines Brustkorbs
  • unterstützt eine tiefere, freiere Atmung
  • reduziert Spannung im Brustkorb und in der Brustwirbelsäule
  • beruhigt dein Nervensystem und hilft dem Körper, aus der Schutzspannung herauszukommen

Ein kleiner Tipp von mir: Sei am Anfang ganz behutsam. Wenn es sich unter den Rippen noch fest oder ungewohnt anfühlt, ist das völlig okay. Geh nur so tief, wie es sich für dich gut anfühlt. Mit jedem Mal, das du diese Übung machst, wird das Gewebe weicher werden und du wirst merken, wie dein Atem immer mehr Platz findet.

Brustwirbelsäule mobilisieren- Zwerchfell massieren
Brustwirbelsäule mobilisieren- Zwerchfell massieren

Übung 02

Die seitliche Rippenöffnung – Platz für deine Atmung schaffen

Jetzt, wo dein Zwerchfell etwas weicher ist, schaffen wir Weite. Direkt zwischen deinen Rippen sitzt die Zwischenrippenmuskulatur. Sie gehört zu deiner Atemhilfsmuskulatur und ist maßgeblich daran beteiligt, dass dein Brustkorb sich beim Einatmen ausdehnen kann.

Wenn du das Gefühl hast, nicht richtig tief einatmen zu können, liegt das oft daran, dass diese Muskulatur regelrecht „festsetzt“. Ist sie verspannt, macht sie deinen gesamten Brustkorb unbeweglich – und das ist ein häufiger Auslöser für eine festsitzende Brustwirbelsäule.

So geht’s:

  • Komm in einen bequemen Schneidersitz. Bring deine rechte Hand neben dir auf die Matte.

  • Mit der nächsten Einatmung streckst du deinen linken Arm weit nach oben Richtung Decke. Achte darauf, dass deine Schulter dabei ganz entspannt bleibt.

  • Neige dich nun mit der Ausatmung zur rechten Seite. Geh nur so weit, wie es sich gut anfühlt und du eine angenehme Dehnung in deiner Flanke spürst.

  • Mit der nächsten Einatmung drehst du deinen Oberkörper aus der Flanke heraus sanft Richtung Decke auf.

  • Rotiere den Oberkörper wieder zurück in die Ausgangsposition der Seitneige.

  • Wiederhole diesen kleinen „Twist“ in der Dehnung etwa fünfmal pro Seite. Atme dabei tief in die geöffnete Flanke hinein.

Das bringt die Übung:

  • dehnt die Zwischenrippenmuskulatur sanft auf
  • verbessert die Beweglichkeit in Seitneige und Rotation
  • öffnet den Brustkorb und schafft mehr Raum zum Atmen
  • mobilisiert die Brustwirbelsäule auf weiche Weise
  • löst Spannungsgefühle in Flanken und oberem Rücken

Darauf kannst du achten: Damit die Dehnung auch wirklich oben in deinem Brustkorb ankommt, lass beide Sitzbeinhöcker fest und schwer in die Matte sinken. Es geht hier nicht darum, wie weit du kommst, sondern dass du die Öffnung in deiner Seite spürst. Wenn die gegenüberliegende Pobacke abheben möchte, schenk dir selbst ein Lächeln, komm ein Stückchen zurück und bleib fest verwurzelt.

Zwischenrippenmuskulatur dehnen
Zwischenrippenmuskeln dehnen

Übung 03

Der große Schulterblatt-Kreis in Seitenlage

Diese Übung ist eine meiner Lieblingsbewegungen – sie löst nicht nur die Schulterblätter, sondern öffnet gleichzeitig deinen Brustkorb von vorne.

So geht’s:

  • Leg dich auf die rechte Seite, die Knie angewinkelt etwa im 90-Grad-Winkel aufeinander. Der untere Arm liegt entspannt ausgestreckt vor dir.
  • Leg deinen linken Arm zu Beginn auf den rechten – so liegen beide Arme übereinander vor deinem Brustkorb.
  • Atme ein und führe deinen linken Arm in einem großen Bogen über deinen Kopf nach hinten – als wolltest du den Boden hinter dir berühren.
  • Folge mit deinem Blick der Hand. Halte das Becken stabil, die Knie bleiben aufeinander.
  • Atme tief weiter, dann führst du den Arm in einem zweiten Bogen wieder zurück nach vorn.

Wiederhole fünf bis sechs Mal pro Seite. Bewege dich langsam – als würdest du einen langen, weichen Kreis mit der Hand in den Raum malen.

Das bringt die Übung:

  • mobilisiert Schulterblätter und Brustwirbelsäule gleichzeitig
  • dehnt die Brustmuskulatur und den vorderen Brustkorb
  • verbessert die Rotation im Oberkörper
  • unterstützt die Beweglichkeit der Rippen
  • schenkt mehr Weite im Brustkorb und erleichtert das Durchatmen

Ein kleiner Tipp für dich: Damit die Mobilisation auch wirklich in deiner Brustwirbelsäule ankommt und nicht im unteren Rücken verpufft, lass deine Knie ganz entspannt und fest aufeinander liegen. Wenn du merkst, dass das obere Knie nach hinten rutschen oder abheben will, ist das ein Zeichen deines Körpers, dass er dort ausweichen möchte. Bleib dann lieber mit dem Arm einen Millimeter weiter vorne und halte deine Knie stabil – so schenkst du deinem Brustkorb die volle Aufmerksamkeit und die Weite, die er braucht.

Schultergelenk mobilisieren
Herzöffner

Übung 04

Die aktive BWS-Rotation mit Federimpuls

Nachdem wir uns um den Atem, die Rippen und die Schultern gekümmert haben, bringen wir jetzt Bewegung in die Drehung deiner Brustwirbelsäule. Die Rotation ist eine der wichtigen Funktionen deiner BWS – und oft auch die Bewegung, bei der wir im Alltag als Erstes merken, dass wir unbeweglich werden oder es irgendwo zwickt.

So geht’s:

  • Setz dich aufrecht in den Schneidersitz (die Übung geht auch auf einem Stuhl) Falte deine Hände lose vor der Brust, die Ellbogen zeigen dabei nach außen.

  • Atme ein und werde ganz lang im Rücken, als würde dich jemand am Scheitel sanft nach oben ziehen.

  • Mit der Ausatmung drehst du dich langsam aus der Mitte deines Brustkorbs nach rechts.

  • Am Endpunkt der Drehung federst du drei Mal ganz sanft weiter in die Drehung hinein. Schenk dir hier kleine, weiche Impulse – achte darauf, dass kein Reißen entsteht.

  • Mit der nächsten Einatmung kommst du zurück zur Mitte. Dann wechselst du zur anderen Seite.

  • Wiederhole das insgesamt 3 Mal pro Seite.

Das bringt die Übung:

  • verbessert die Drehbeweglichkeit deiner Brustwirbelsäule
  • löst fasziale Spannungen im Oberkörper
  • entspannt die tiefe Rumpfmuskulatur
  • unterstützt eine aufrechtere Haltung
  • hilft deinem Brustkorb wieder freier und beweglicher zu werden

Worauf du achten darfst: Damit die Drehung wirklich dort ankommt, wo sie wirken soll, stell dir vor, die Bewegung beginnt direkt hinter deinem Brustbein. Dein Becken und die Lendenwirbelsäule bleiben dabei ganz ruhig und stabil. Dein Blick folgt einfach ganz locker der Bewegung deines Brustkorbs. Achte darauf, dass dein Nacken entspannt bleibt und du den Kopf nicht mit Gewalt weiterdrehst als deinen Rücken – die Kraft kommt aus der Mitte, nicht aus der Halswirbelsäule.

Schmerzen zwischen den Schulterblättern lösen
BWS Blockade lösen und Brustwirbelsäule mobilisieren

Übung 05

Die BWS-Wippe mit der Handtuchrolle – Dein Löser für „den Knoten“

Diese Übung empfehle ich so gerne, wenn sich zwischen den Schulterblättern alles zu einem festen Knoten verzogen hat. Sie ist wie ein kleiner Befreiungsschlag: Wir gehen hier gezielt in den Wechsel zwischen der Öffnung nach hinten und einer sanften Vorbeuge. Das hilft deinem Körper dabei, die Enge loszulassen und schenkt deiner Brustwirbelsäule wieder Raum in beide Richtungen.

Vorbereitung: Roll dir ein Handtuch oder eine dünne Decke zu einer festen Rolle zusammen.

So geht’s:

  • Leg dich auf den Rücken, stell die Knie auf und schieb die Rolle quer unter deinen oberen Rücken (auf Höhe der Schulterblattspitzen).

  • Öffnen: Lass deinen Oberkörper mit der Einatmung ganz weich über die Rolle nach hinten sinken. Falls dein Nacken Unterstützung braucht, leg dir ein kleines Kissen unter den Kopf, damit du wirklich loslassen kannst.

  • Lösen: Verschränke mit der Ausatmung die Hände hinter dem Kopf, heb Kopf und Schultern und Rumpf behutsam an und führ die Ellbogen leicht zueinander.

  • Wiederhole diesen Wechsel 8 bis 10 Mal ganz fließend in deinem Atemtempo.

Das bringt die Übung:

  • entspannt den Bereich zwischen den Schulterblättern
  • verbessert die Beweglichkeit deiner Brustwirbelsäule in Vor- und Rückbeuge
  • dehnt Brustmuskulatur und oberen Rücken sanft auf
  • kann Spannungsgefühle und „Blockadegefühle“ lösen
  • schenkt deinem Brustkorb wieder mehr Raum und Beweglichkeit

Wichtig: Sei geduldig mit dir, wenn es sich am Anfang noch fest anfühlt – dein Gewebe darf erst einmal lernen, hier wieder loszulassen. Achte darauf, dass dein unterer Rücken schwer auf der Matte liegen bleibt, damit die Bewegung genau dort ankommt, wo sie die Spannung zwischen den Schulterblättern sanft lösen kann.

Übung für den oberen Rücken mit Handtuch
Rückbeuge
Schmerzen zwischen den Schulterblättern lösen

Die komplette BWS-Mobilisation als Video

 

Wenn du dir jetzt denkst:

„Genau das brauche ich gerade“ — dann mach am besten direkt mit.

Hier findest du alle fünf Übungen noch einmal als ruhige, fließende Einheit zum Mitmachen. Ideal, um Verspannungen zwischen den Schulterblättern zu lösen, den Brustkorb zu öffnen und wieder freier durchzuatmen.

Nimm dir einfach 12 Minuten Zeit, roll deine* Yogamatte  aus und lass deinen Oberkörper Schritt für Schritt weicher werden.

Was du bis hierhin gelesen hast, ist das Fundament. Du verstehst jetzt, warum dein Oberkörper sich festsetzt, was beim Knacken wirklich passiert und warum nachhaltige Beweglichkeit nur dann entsteht, wenn Brustwirbelsäule, Zwerchfell, Schulterblätter und Faszien zusammenarbeiten dürfen. Die fünf Übungen oben sind dein perfekter Einstieg in genau das.

Während diese Übungen deine ideale Erste Hilfe für den Moment ist, sorgt der 7-Tage-Reset dafür, dass dein Nervensystem die Schutzspannung langfristig verlernt. Wir arbeiten uns systematisch Tag für Tag durch das gesamte System, damit die Leichtigkeit auch wirklich bleibt.

Denn was nach über 10 Jahren in der Praxis den entscheidenden Unterschied macht, ist die Wiederholung in der richtigen Reihenfolge: Tag für Tag, mit Einheiten, die logisch aufeinander aufbauen. So lernt dein Körper, die Enge nicht nur kurz loszulassen, sondern sie gar nicht erst wieder aufzubauen.

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12 Monate flexibler Zugang – jederzeit wiederholbar

Die Buchung läuft sicher und unkompliziert über Eversports – direkt nach dem Kauf kannst du mit Einheit 1 starten.

FAQ: Deine Fragen zur BWS-Blockade und Mobilisierung

Hier findest du Antworten auf die Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden, wenn es im Brustkorb hakt.

Sicherheit geht immer vor. Wenn deine Beschwerden plötzlich nach einem Sturz oder Unfall aufgetreten sind, lass sie bitte ärztlich abklären. Das Gleiche gilt bei:

  • Anhaltender Atemnot oder ausstrahlenden Schmerzen in der Brust.

  • Taubheitsgefühlen oder Kribbeln in den Armen.

  • Fieber oder starkem nächtlichen Schmerz.

Am besten ist es, wenn du diese Routine erstmal an drei bis sieben Tagen pro Woche fest in deinen Alltag einbaust. Denk dran: Lieber regelmäßig und kurz als einmal im Monat eine Stunde lang. Schon wenige Minuten reichen oft aus, um eine festsitzende BWS-Blockade sanft zu lösen und den typischen Druck zwischen den Schulterblättern zu lindern.

Die meisten spüren direkt nach der ersten Einheit ein freieres Gefühl – man kann tiefer durchatmen und die Spannung im oberen Rücken lässt nach. Damit die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule aber wirklich erhalten bleibt, braucht dein Gewebe in der Regel ein bis zwei Wochen regelmäßige Impulse.

Ein „Wohlschmerz“ – also ein ziehendes Gefühl – ist völlig okay. Das zeigt dir, dass dein Gewebe wieder mitarbeitet. Wenn der Schmerz aber stechend oder scharf ist, komm bitte sofort aus der Übung heraus. Weniger ist hier oft mehr: Prüfe deine Position oder mach die Bewegung einfach etwas kleiner.

Ja, absolut. Das ist sogar ein häufiger Grund, warum Menschen das Gefühl haben, nicht „durchatmen“ zu können. Wenn die BWS blockiert ist, können sich die Rippen beim Einatmen nicht weit genug öffnen. Die Übungen hier sind der direkte Weg, deinem Atem wieder Platz zu schaffen.

Grundsätzlich sind diese Bewegungen sehr sanft und darauf ausgelegt, Raum zu schaffen. Da aber jeder Körper individuell ist, halte bitte kurz Rücksprache mit deinem Arzt oder deiner Ärztin, besonders wenn eine akute Diagnose vorliegt. Meistens lassen sich die Übungen wunderbar anpassen, um den Bereich sanft zu entlasten.

Osteopathie und Yoga Münster

Wer bin ich?

Lilly Rugg

Als Osteopathin, Yogalehrerin und Pilates-Trainerin begleite ich dich dabei, deine Wirbelsäule zu mobilisieren und dich endlich wieder kraftvoll und frei in deinem Körper zu fühlen. Mein Ansatz? Ich betrachte dich nicht isoliert, sondern als ganzes System.

Seit über 10 Jahren unterstütze ich meine Teilnehmerinnen dabei, Verspannungen dort zu lösen, wo sie wirklich entstehen. Oft liegen Schmerzen im Nacken oder im unteren Rücken nämlich gar nicht dort, wo es wehtut, sondern haben ihren Ursprung in einer unbeweglichen Brustwirbelsäule.

Solange wir nur isoliert dehnen oder trainieren, landen wir immer wieder am gleichen Punkt. Deswegen kombiniere ich osteopathisches Know-how mit effektiven Impulsen aus Yoga und Pilates – ganz ohne Esoterik, dafür mit echtem Körpergefühl.

Mein Ziel für dich: Dass deine Brustwirbelsäule wieder geschmeidig wird, du tief durchatmen kannst und dich in deinem Körper endlich wieder richtig zu Hause fühlst.

Meine Praxis-Lieblinge: Du fragst dich, welche Matten, Rollen oder Kissen ich in meinem Alltag für mich und meine Teilnehmer*innen nutze? Ich habe dir meine absoluten Favoriten in meinem Amazon Shop* übersichtlich zusammengefasst.

Quellen

[1] Kawchuk, G. N. et al. (2015).
Real-Time Visualization of Joint Cavitation.
PLoS One, 10(4), e0119470.
(Die Echtzeit-MRT-Studie konnte sichtbar machen, dass das Knack-Geräusch durch die schnelle Entstehung eines Gas-Hohlraums im Gelenk entsteht – ein Phänomen, das als Tribonukleation bezeichnet wird.)


 

[2] Bialosky, J. E. et al. (2009).
The mechanisms of manual therapy in the treatment of musculoskeletal pain: A comprehensive model.
Manual Therapy, 14(5), 531–538.
(Die Arbeit beschreibt neurophysiologische Mechanismen, über die manuelle Techniken Schmerz, Muskelspannung und Bewegungswahrnehmung beeinflussen können.)

 

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